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Was Sie tun können, wenn eine Präsentation zu scheitern droht

von | Sep 6, 2017 | Persönlichkeit | 0 Kommentare

In letzter Zeit werde ich häufig gefragt, was man machen kann, wenn auf der Bühne etwas schief geht? Über dieses Thema habe ich im Urlaub viel nachgedacht, nachdem ich aus einer Show in Madrid besucht hatte. Das Plakat der Show zeigte den Höhepunkt der Show. Der Star war in einer Box unter Wasser gefangen. Seine Hände waren gefesselt und um ihn herum schwebten Luftblasen. Es schien so, als ob er sein gläsernes Gefängnis nicht verlassen könne.

In der Zaubershow fühlte ich mich gut. Es wurden große Kunststücke gezeigt und auch kleiner Kartenmagie wurde  sorgsam inszeniert. Dann kam der Höhepunkt. Der Künstler ließ uns wissen, dass dieser Trick dem großen Entfesselungskünstler Harry Houdini nachempfunden sei. Da der Trick gefährlich sei, bräuchte er zwei Minuten Vorbereitungszeit. Mit diesem Worten verließ der Zauberer die Bühne und seine Crew begann damit die Installation aufzubauen.

Gläsernes Gefängnis

In der Mitte der Bühne stand nach kurzer Zeit ein großes, gläsernes Gefängnis, das mit Wasser gefüllt wurde. Als die Helfer das Wasser hineinschütteten, dampfte es. Das kam mir komisch vor. Sie rollten die Installation in den hinteren Teil der Bühne. Fieberhaft schleppten die Crewmitglieder große Wasserkanister an, um sie in den Glaskasten zu gießen. Der Dampf verflog und die Show begann erneut. Begleitet von lauter Musik betrat der Künstler die Bühne, wurde von seinen schönen Assistentinnen mit Stahlketten gefesselt, stieg in den Glaskasten und brach ab.

Die Musik ging aus und alle Künstler setzten ein professionelles Lächeln auf. Der Star trat nach vorne an den Bühnenrand und entledigte sich seiner Handschellen. Mit tropfender Hose sagte er folgenden Satz auf Spanisch: „Manchmal können manche Tricks nicht gezeigt werden!“ Es folgten professionelle Verbeugungen und der Vorhang fiel. Das Publikum blickte noch eine Weile umher, doch nach wenigen Minuten war allen klar, die Show war vorbei.

Später hieß es, dass der Zauberkünstler Angst bekommen hatte, da das Wasser sehr heiß war. Dies hätte die Gesundheit des Künstlers stark gefährdet. Ein absolut verständlicher Grund, nur als Zuschauer ist es schön, wenn man Teil dieses Prozesses ist. Es kann immer sein, dass etwas nicht funktioniert, doch darüber hinweg zu gehen, macht das Problem noch größer.

Eine Geschichte von zwei Präsentationen

Um dies zu verdeutlichen, zeige ich Ihnen hier zwei Videos. In beiden Videos wird ein Produkt präsentiert und es geht etwas schief. Das Produkt wird vom Moderator angepriesen, doch es funktioniert nicht. Ein Alptraum für jeden Präsentator. Die Reaktionen der beiden Akteure sind jedoch sehr unterschiedlich.

Im ersten Video präsentiert Steven Sinofsky zum ersten Mal das Microsoft Tablet Surface. Mitten in der Präsentation friert der Bildschirm ein und er kann die Funktionen des Tablets nicht präsentieren. Als souveräner Sprecher vor laufenden Kameras dreht er das Tablet zu sich und beschreibt die Funktionen, bis er sich dazu durchringt, ein Ersatztablet hervor zu holen.

In der zweiten Präsentation präsentiert Steve Jobs neue Funktionen des iPhone 4s. Er benennt dabei, dass es ein Problem gibt und sagt dem Publikum, dass er die Lösung nicht kennt: „I don’t know what is going on.“ Gleichzeitig probiert er Lösungen für das Problem zu finden. Nach einer Unterbrechung ist das Problem ausgemacht. Zu viele Menschen nutzten gleichzeitig das W-LAN Netz, wodurch die Verbindung des neuen Telefons zu langsam wird. Jobs bittet nun alle Zuschauer ihre W-LAN Verbindung zu unterbrechen und es gelingt ihm so, das Problem in den Griff zu bekommen.

Den steinigeren Weg gehen

Mein Punkt ist, dass in den Fällen des Zauberkünstlers und von Sinofsky versucht wurde, das Problem zu verstecken, oder beiseite zu schieben. Jobs wählte einen anderen Weg. Er gab zu, dass es ein Problem gibt, ließ die Zuschauer an der Misere teilhaben und ebnete so den Weg dafür, dass sie ihm dabei halfen, das Problem zu lösen. Kurz, er übernahm auf der Bühne Verantwortung für das Problem. Was hinter der Bühne geschah, ist natürlich eine ganz andere Geschichte. Doch sehen Sie selbst, wie Steve Jobs es schaffte Zauberkunststücke und Präsentationstechniken zu vereinen:

https://www.youtube.com/watch?v=oVO45BZbt2s

Ich wünsche Ihnen eine verantwortungsvolle Woche,

Dr. Ben Hartwig

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