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Der Coach und das Geheimnis des Rings

von | Aug 23, 2017 | Geschichten, Persönlichkeit | 0 Kommentare

Ein Holzring lag auf dem Boden des schräg gegenüberliegenden Feldes. Sein Durchmesser betrug einen Meter. Er lag vorne rechts im Feld, gleich neben der Mittellinie. „Noch einmal!“ War die Stimme des Trainers zu hören. Trainiert wurden kurze Aufschläge im Badminton. Ich war Teenager und im Sondertraining mit einem neuen Coach. Ich weiß nicht mehr wie er heißt, doch er spielte in der zweiten Bundesliga. Das war schon ein Unterschied zu den Kreisklassetrainings, die ich gewohnt war. Als ich mir sicher war, dass das Training vorbei war, ging es mit diesem Coach erst los. Er nannte das Aufwärmen.

Badminton

Ich stand im Feld und trainierte kurze Rückhandaufschläge. Davor kannte ich nur Unterhüftaufschläge mit der Vorhand. Es war also ein Umlernen und gleichzeitiges Neulernen. Alte Muster musste ich loslassen und die neuen Bewegungen sollten in mein Unterbewusstsein wandern. Das Ziel war es mindestens 8 von 10 Bällen innerhalb des vorderen Ringes landen zu lassen, ohne den Aufschlag durch eine zu hohe Schlägerhaltung ungültig zu machen. Mein Bestes, nach unzähligen Versuchen, waren zwei Bälle. Ich schaute rüber zu den anderen Kids und sah, dass es das schlechteste Ergebnis aller Anwesenden war – mit Abstand.

Der Coach

Mein Impuls war, zurück zum Vorhandaufschlag zu gehen und allen zu zeigen, wie gut ich es doch kann. Mein Impuls war, zu heulen und nie wieder zum Training zu kommen. Mein Impuls war, den Schläger voller Wut und Neid in eine Ecke zu pfeffern. Dann kam der Coach.

Er korrigierte meine Schlägerhaltung und sah zu, wie ich neun Bälle neben den Ring setzte. Er sagte: „Schon besser, siehst du und fühlst du, dass keiner der Bälle mehr weit vom Ring entfernt aufkommt?“ Es stimmte, zu Beginn der Übung flogen viele Bälle ins Netz, ins Aus oder an die Köpfe meiner Trainingspartner. Alle neun Bälle waren jetzt in der Nähe des Feldes gelandet. Manche sogar darin. Ich nahm den zehnten Ball in die linke Hand und ging in die neue Aufschlagsposition. Mein Herz klopfte schnell, wie so oft, wenn der Coach zuschaute. Ich kontrollierte meinen Atem und der Ball landete Mitten im…Netz: „Jetzt wolltest du es zu sehr.“ Sagte der Coach: „Noch einmal!“.

Selbstvertrauen durch das Umfeld

Paul McGee - CoachIn Paul McGees Buch mit dem Titel Self-Confidence beschreibt der Autor, wie wichtig die Menschen sind, die uns in unserem Leben umgeben. Zwar heißt es so schön, dass gleich und gleich sich gerne gesellt, doch gleich ist nicht immer gut. Gleich ist angenehm. McGee unterteilt, die Menschen die uns im Leben unterstützten können in vier Kategorien – Cheerleader, Challenger, Coach und Confidant.

Cheerleader geben Hoffnung und Motivation. Sie erinnern uns an unsere Stärken. Doch mit Ihnen geht auch die Gefahr einher, dass wir ein rosarotes Bild von uns und unseren Fähigkeiten malen.

Challenger hinterfragen unsere Motive. Sie erinnern uns daran, dass wir für Veränderungen auch arbeiten müssen und eine Strategie verfolgen sollten. Ihr Nachteil ist, dass dich nicht aufbauen, sondern durch Fragen weiter bringen. Manchmal führen zu viele Fragen aber eher zur Konfusion als zu einer Lösung.

Ein Coach ist nicht unbedingt dein Freund, und wenn doch, dann ist er ein Freund, der die Perspektive eines Unbeteiligten einnehmen kann. Ein Coach kann dir Struktur, Strategien und Fokus mitgeben. Er führt dich bestimmt und klar wieder zurück, wenn du deinen Weg verlässt. Der Nachteil ist, dass ein Coach auf Grund seiner Fähigkeiten Geld kostet, was ein Verhältnis zeitlich begrenzen kann. Außerdem ist ein Coach selten dein Freund, was als lieblos wahrgenommen werden kann.

Confiants oder Vertraute zeigen Empathie und Verständnis für unsere Herausforderungen. Sie wissen, was wir brauchen und leisten Emotionalen Beistand. Obwohl Vertraute fantastisch darin sind in einer emotional aufgeladenen Situation zu helfen, zeigen sie selten eine Strategie oder die nächsten Schritte auf. So kann Frust zurück bleiben.

Herr des Aufschlags

Alles in einer Person zu suchen kann sehr lange dauern. Daher ist es wohl klüger sich ein Team aus Freunden und Unterstützern zu suchen, um den Herausforderungen des Lebens entgegen zu treten. Einer der wenigen Menschen, der alle Vorzüge der vier Kategorien von Paul McGee vereint ist Gandalf der Graue. Doch dieser hatte viel Zeit seine Fähigkeiten zu entwickeln und befindet sich leider nur in der fiktiven Welt des Herrn der Ringe.

Das bringt mich wieder zurück zu dem Ring, der mir schräg gegenüber im Badmintonfeld lag. Das Wesen meines Coaches hatte mich damals überzeugt. Ich trainierte den neuen Aufschlag allein weiter, bis eines Tages die meisten Bälle im Ring landeten. Als noch ein paar Wochen ins Land gezogen waren, machte ich mir keine Sorgen mehr um meinen Aufschlag. Ich konnte sehen und fühlen, dass er gut war.

Ich wünsche Ihnen eine trainingsreiche Woche,

Ihr Dr. Ben Hartwig

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