You are about to smell what the rock is cooking

von | Aug 9, 2017 | Geschichten, Wissenschaft | 0 Kommentare

The Rock ist einer meiner Lieblingsfilme, in dem Sean Connery einen alternden Ausbrecher spielt. der Nicolas Cage unter die Arme greift, um die Welt zu retten. The Rock ist ebenfalls der Name des weltbekannten Wrestlers Dwayne Johnson, der später eine Filmkarriere in Hollywood hinlegte. The Rock ist jedoch auch die Bezeichnung für Gibraltar. Als ich letztes Wochenende dort verbrachte, wurde ich mit den Worten: „Welcome to the rock!“ Begrüßt. Nach dieser Begrüßung schossen mir gleich sehr viele Bilder durch den Kopf. Gibraltar hatte ich vorher nicht mit The Rock in Verbindung gebracht. Doch als ich nach oben blickte, sah ich den riesigen Felsen inmitten der englischen Kolonie.

Der Fels von Gibraltar

Die meisten der etwa 35.000 Einwohner sehen sich als Briten und als Europäer. Das Land lebt zum größten Teil vom Tourismus und auch ich war als Tourist unterwegs. Ich wollte das Naturschutzgebiet Upper Rock erkunden, da dort die freilebenden Affen Gibraltars hausen. Mit der Seilbahn ging es den Felsen hinauf und gleich nach dem Aussteigen wurde ich von den Berberaffen überrascht. Mit hoher Geschwindigkeit lief ein Tier auf mich zu und sprang an mir vorbei.

Es folgte eine Stunde, in der ich in Ruhe viele Aufnahmen machte und an Charles Darwin dachte. Da gerade viele kleine Affen geboren worden waren, war ich hin und wieder verblüfft von der Ähnlichkeit der Augen und Gesichter zum Menschen.  Genetisch sind uns manche Affenarten bis zu weit über 90 % ähnlich. Dennoch gingen wir in der Evolution so unterschiedliche Wege. Wie ist das möglich?

Affenmenschen

Viele Forscher suchen nach Genen, die den Unterschied zwischen Affen und Menschen ausmachen und wurden auch fündig. Allerdings ist es bis heute fraglich, ob diese Unterschiede ausreichen, um einen Menschen zu einem Menschen zu machen. Oft sind es nicht nur die Gene allein, die Veränderungen herbeiführen, sondern auch das, was mit den Genen passiert. Was beeinflusst die Gene? Was passiert wenn Gene beeinflusst werden? Welcher Code bestimmt den genetischen Code? Diese Fragen füllen ganze Bücher.

Ein Rückblick in den Bio-LK

Als das menschliche Genom im Jahre 2001 entschlüsselt wurde und die Karten 2003 aufgearbeitet waren, warfen die Antworten weitere Fragen auf. Desoxyribonukleinsäure (DNA oder zu Deutsch DNS) besteht aus einem Zuckerphosphat-Rückgrat und einer Sequenz von vier unterschiedlichen Basen – A, C, G und T. Diese Sequenz wurde im menschlichen Genomprojekt entschlüsselt. Das waren etwa 3 Milliarden Basenpaare, da die DNA zwei Stränge aufweist, die als Doppelhelix angeordnet sind.

Manche Teile unserer DNA werden als Gen bezeichnet. Ein Gen ist eine Abfolge der DNA, die über weitere Schritte zu einem oder mehreren Eiweißprodukten führt. Wenn man einen Affen und einen Menschen vergleicht, dann könnte man denken, dass gleiche Gene auch zu gleichen Produkten führt. Doch genau dies ist oft nicht der Fall. Gene können mehr oder weniger aktiv vorliegen, sie können mit anderen Genen interagieren und im Herstellungsprozess können sich die Produktionsschritte unterscheiden. Ähnlich wie bei einem Orchester, klingt die Musik sehr unterschiedlich, je nachdem welche Instrumente zu hören sind.

Babuschka-CodeENCODE

Welche Gene wie aktiv sind, wird jedoch nicht nur innerhalb eines Lebewesens bestimmt. Auch die Umwelt hat da ein Wörtchen mitzureden. Unsere Nahrung, Erlebnisse und vielleicht sogar unsere Gedanken spiegeln sich zwar nicht direkt in unserem Erbgut wieder, doch in dessen Produkten. Um diesen Code über dem genetischen Code zu verstehen, wurde das ENCODE-Projekt (Enzyklopädie der DNA Elemente) im September 2003 gegründet. Innerhalb dieses Projektes widmen sich Forscher, wie Yoav Gilad aus Chicago der Frage, welche äußeren Einflüsse Menschen und Affen unterscheiden können. Gilad fand heraus, dass Menschen auch genetisch betrachtet wahre Anpassungsmeister sind. Ein Schlüssel für diese Entwicklung könnte die Beherrschung des Feuers gewesen sein. Kein Tier kocht sein Essen und es ist logisch, dass der Metabolismus Auswirkungen auf die Genprodukte hat.

Beruhigender Fels

Die Worte, die Dwayne The Rock Johnson berühmt gemacht haben, kommen mir in den Sinn: „You are about to smell, what The Rock is cooking.“ Bisher ist noch nicht abschließend geklärt, was uns zu Menschen macht. Doch sicher ist, dass wir das Geschenk der Anpassungsfähigkeit in uns tragen. Wir sind das Ergebnis unserer Umwelt und unserer Gene. Beides ist in der heutigen Zeit veränderbar. Ich denke, diese Macht nimmt uns auch in die Pflicht Verantwortung für unsere Entscheidungen zu übernehmen. Der Anblick des beständigen Felsens von Gibraltar schenkt mir bei diesen Gedanken eine gewisse Ruhe.

Fels von Gibraltar

Ich wünsche Ihnen eine evolutionäre Woche,

Ihr Dr. Ben Hartwig

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