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Vom Casting zum Improsommer

von | Jul 12, 2017 | Geschichten | 0 Kommentare

Als ich 2012 von einer mehrmonatigen Reise um die Welt zurück nach Deutschland kam, hatte ich weder einen Beruf, noch Geld. Doch ich brachte eine Menge Eindrücke aus Nordamerika, Australien und Asien mit. Einer dieser Eindrücke war, dass es vielen Menschen in Europa vergleichsweise gut geht. Diese Einsicht entspannte mich und ich entschloss mich zu drei Castings von Improvisationstheatern zu gehen, die zufällig alle im Herbst 2012 stattfanden.

Das zweite Casting fand in Köln statt und wurde vom Springmaus Improvisationstheater organisiert. An zwei Tagen spielten etwas mehr als 100 Akteure vor. Am Ende zählte ich zu einem der glücklichen drei, die es in das Springmaus Ensemble schafften. Doch der Weg dahin hätte auch ganz schnell vorbei sein können.

Das Casting

Schon am ersten Tag des Castings wurde ich in eine Zwölfergruppe gewählt. Beim Aufwärmen für die ersten Übungen vor der Jury, ließ mich einer der Schauspieler nicht mitmachen. Im Kreis passten wir Geräusche von Person zu Person. Als mich zum ersten Mal ein Mitspieler anblickte, um zu passen, sprang er dazwischen und sagte: „Der Gehört mir!“ Dann drehte er sich zu mir und lachte.

Im Vorspielraum saßen wir in zwei Reihen auf Stühlen an der Wand. Neben mich setzte sich besagter Schauspieler und ich traf eine Entscheidung. Mein Bauchgefühl sagte mir: „Hier willst du nicht sitzen.“ Glücklicherweise stimmte mein Kopf ein mit: „Hier musst du nicht sitzen.“ Verwundert über mich selbst, stand ich auf und setzte mich neben eine andere, lächelnde Schauspielerin.

Die Jury betrat den Raum. Sie bestand aus Bill Mockridge, dem Gründer des Theaters, und drei Mitgliedern des Ensembles. Das erste, was von der Jury kam, war: „Schaut euch die Person neben euch an. Das ist euer Szenenpartner für die erste Übung.“ Ich atmete tief durch, lächelte meine Szenenpartnerin an und wir begannen zu spielen. Heute glaube ich, dass diese kleine Entscheidung sehr stark dazu beigetragen hat, dass ich am Ende erfolgreich war. Oft genug ignorieren wir diese Stimme jedoch. Gerade wenn es darum geht, einmal auszuspannen oder sich Zeit für sich selbst zu gönnen.

Schnelle Entscheidungen

Bei schnellen Entscheidungen hilft das Bauchgefühl. Doch bei langfristigeren Planungen ist es oft klüger, sich eine Strategie zu überlegen. Zum einen können wir Menschen sehr schlecht in die Zukunft schauen, da wir linear denken, sich die Zukunft jedoch oft exponentiell schnell fortbewegt. Zum anderen sind bei dem Bauchgefühl auch immer Emotionen im Spiel und diese stehen einer rationalen Entscheidungsfindung im Weg.

Kurz nach dem Casting in Köln, war ich auch in Wiesbaden erfolgreich. Das Improvisationstheater dort heißt FGKH – Für Garderobe keine Haftung. Die Entscheidung, ob es ob der Entfernung Sinn ergibt, dem Theater beizutreten, fiel mir nicht leicht. Ich wusste, dass ich oft vier bis fünf Stunden unterwegs sein würde, um zwei Stunden zu proben. Doch viele andere Faktoren sprachen dafür, so dass ich mich entschied Mietglied des Ensembles zu werden.

Der Improsommer

Improsommer

Neroberg 2017

Neben den Menschen im Ensemble, erfüllt mich der jährlich von FGKH ausgerichtete Improsommer mit großer Freude. Jedes Jahr pilgern über 10.000 Menschen an vier Wochenenden auf den Neroberg in Wiesbaden. Das macht den Improsommer zum wahrscheinlich größten Open Air Festival für Improvisationstheater der Welt. Geboten werden Shows, Musik und eine tolle Atmosphäre. Als ich am letzten Samstag am Rande der Bühne stand und sich das Amphitheater mit Besuchern füllte, erfüllte es mich mit Freude und Stolz. Die Entscheidung hat sich gelohnt. Vielleicht sehen wir uns an den nächsten zwei Wochenenden dort?!

Ich wünsche Ihnen eine entscheidungsfreudige Woche,

Dr. Ben Hartwig

https://www.youtube.com/watch?v=JO_eMQba-wI

Neuroplay-Events

  • Workshop – An die Grenzen gehen beim Osnabrücker Improfestival:
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