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Wir lagen auf dem Rücken. Der Raum war leicht abgedunkelt und über uns stand der Trainer, der uns stetig neue Anweisungen gab. Zunächst wirkten diese ganz leicht, doch mit der Zeit wurde es anstrengender, obwohl wir große Bewegungen immer weiter reduzierten. Schließlich dachten wir uns die ausgeführten Kontraktionen unserer Muskeln nur noch. Der Trainer war ein Meister der Feldenkrais-Methode. Moshé Feldenkrais entwickelte diese Methode, gab ihr seinen Namen und entlieh dazu Bewegungsabläufe aus dem Judo.

Der Skeptiker

Doch geht das? Können wir Bewegungsabläufe neu lernen und unser Hirn neu verstricken, indem wir kleinste Bewegungen ausführen oder sogar nur daran denken? Ich war skeptisch und tat das, was ein gelernter Wissenschaftler tut, wenn er skeptisch ist. Ich suchte nach Veröffentlichungen. Wenn es möglich ist, dann sollte es doch auch messbar sein. Außerdem hatte ich ja bereits in einem anderen Blog auf das seltsamste Geheimnis hingewiesen – wir werden zu dem, worüber wir nachdenken.

Denke und werde stark

Auf meiner Suche fand ich ein 2004 erschienenes Paper, das von der Cleveland Clinical Foundation in Ohio stammt. Ranganathan et al. gaben der Veröffentlichung den klanghaften Namen: „From mental power to muscle power – gaining strength by using the mind.“ Ernsthaft? Denke und werde stark?

Die Forscher teilten 30 Probanten in vier Gruppen ein. Drei Gruppen enthielten 8 Testpersonen und eine Kontrollgruppe bestand aus sechs Personen. Zwei der Testgruppen sollten sich für 12 Wochen, fünf Tage die Woche und 15 Minuten am Tag vorstellen, dass sie die kleinen Finger bzw. die Ellenbogen des dominanten Armes beugen. Die dritte Gruppe hat in den 12 Wochen die gleiche Zeit genutzt, um die Fingermuskulatur zu trainieren, während die Kontrollgruppe die Zeit ohne mentales oder physisches Training verbrachte. Neu war bei dieser Studie, dass die Wissenschaftler sich zusätzlich zu den Muskeln auch die Hirnaktivität der Testpersonen per EEG anschauten.

Mental power to muscle power

Die Vorstellung allein reicht nicht aus

Bei der Vorstellung der Bewegung war den Forschern wichtig, dass die Testpersonen sich den Prozess des Finger- oder Ellenbogenbeugens innerlich vorstellten. Vorherige Ergebnisse mit äußeren Bildern zeigten kleinere Unterschiede zwischen Test- und Kontrollgruppe. Die Testpersonen sollten jedoch nicht nur die Bewegung der Muskelkontraktion visualisieren. Sie sollten sich zusätzlich vorstellen, dass sie ein schweres Objekt, z.Bsp. einen Tisch, mit dem kleinen Finger oder mit dem Unterarm anheben. Es war wichtig, dass das Gehirn mitspielte und die Probanden sich nicht nur, wie auf einem Bildschirm, Muskeln anspannen sahen. Wenn Blutdruck und Herzfrequenz bei den Vorstellungen nicht nach oben gingen, gab es keinen Effekt (Herbert et al., 1998 / Ranganthan et al., 2002).

Ergebnisse

Tatsächlich war es so, dass die Kraft der Testpersonen zunahm, wenn sie sich die Bewegungen  vorstellten. Bei dem kleinen Finger um durchschnittlich 35 % und beim Ellenbogen 13,5 %. Die Gruppe, die physisch an der Fingermuskulatur arbeitete, verzeichnete einen Kraftzuwachs von durchschnittlich 53 %. Zu einem gewissen Grad können wir uns also tatsächlich erdenken. Der Grund für den visualisierten Muskelzuwachs könnte in dem erhöhten Stoffwechsel des Hirns verborgen liegen, spekulieren die Wissenschaftler.

Wie wichtig eine ausgeglichene Aktivität unseres Schädelcomputers ist, verdeutlicht dieser wundervolle TEDx Talk von Dr. Daniel Amen:

Feldenkrais scheint also eine Methode zu sein, die Körper und Geist in Einklang bringt. Durch die großen Bewegungen des Körpers steigern sich Blutdruck und Herzfrequenz. Die anschließenden Vorstellungen der Bewegungen können folglich eine stärkere Muskulatur ausbilden.

Ich wünsche Ihnen eine geistreiche Woche,

Ihr Dr. Ben Hartwig

 

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