Wir standen zu Tausenden auf dem Feld. Banner wehten im Wind und Markante Sprüche zierten die Plakate: „Make America Think Again!“ „Scientists are pro-testing“ oder „Alternative Fakten – kannste schon machen, wird dann halt scheiße!“ Stand darauf. Es handelte sich um den March for Science am 22.04.17 in Bonn. Das Feld, auf dem wir standen, war die Hofgartenwiese in Bonn und auf der kleinen Bühne spielte eine, aus Wissenschaftlern bestehende, Band Swing und Jazz.

Die Rednerben und paul

Für diesen Samstag waren acht verschiedene Reden geplant. RederInnen waren u.a. eine Ministerin des Landes, Hochschulrektoren und die Leiterin des DAADs (Deutscher Akademischer Austauschdienst e.V.). Es war grau am Himmel und leicht regnerisch. Da es einen so großen Andrang gab, konnten in den hinteren Reihen nicht alle Menschen verstehen, was vorne gesprochen wurde. Nach den ersten Reden drohte die Stimmung schon ein wenig zu kippen.

Spring du Maus

Das war für meinen Kollegen Paul Hombach und mich der perfekte Zeitpunkt, um auf die Bühne zu kommen. Wir sind beide der Wissenschaft eng verbunden und haben bei der Anfrage den March for Science zu unterstützen, sofort zugesagt. Für zehn Minuten haben wir die Menge vor der Bühne unterhalten, indem wir das taten, was wir am besten können – improvisieren.

Es war schön zu sehen, wie eine so kurze humoristische Einlage die Stimmung verbessern kann. Die Wolk
en brachen auf uWissenschaft in Aktionnd es schien tatsächlich für zehn Minuten die Sonne. So konnten alle Zuhörer, mit neu geschärfter Aufmerksamkeit, die restlichen tollen Reden genießen.

Der Störenfried

Der spannendste Moment für mich war allerdings ein Gespräch mit einem Zuschauer während der Show. Als Paul und ich gerade die erste von zwei Nummern beendet hatten, zog ich mich am Bühnenrand kurz um, während Paul anmoderierte. Plötzlich höre ich eine männliche Stimme neben mir:

Er: „Hey, ich habe da ein Gedicht, das ich gerne vortragen wollte.“

Ich: „Entschuldigung, doch ich bin gerade mitten in einer Show, wenden Sie sich doch bitte an die Veranstaltungsleitung.“

Er: „Das habe ich gemacht und die haben mir gesagt, dass ich mich vorher hätte melden müssen.“

Ich: „Das stimmt. Wir haben uns vorher auch angemeldet.“ (Kämpfe mit einem Hemdärmel, während Paul auf der Bühne neben mir eine Zuschauerin interviewt)

Er: „Naja, sie können das Gedicht dann ja jetzt vortragen.“

Ich: „Leider nicht, wir haben jetzt noch eine Nummer geplant und dann geht es weiter mit dem Programm. Sie können sich nur an die Veranstalter wenden.“

Er (geht enttäuscht weg und ruft über die Schulter): „DAS HÄTTE SO GUT GEPASST!“

Ich fand es spannend, dass jemand, der eine improvisierte Show sieht, gleichzeitig denkt, dass der Rahmen auch völlig frei sei. Im Leben, das ja auch, in manchen Teilen der Welt, frei improvisiert ist, nennt man das übergriffig. Man geht ja auch nicht während einer Trauung, auf die man nicht eingeladen wurde, zum Pastor und sagt: „Ich habe eine super Bibelstelle, kann ich mal kurz das Mikrofon haben“Lauf der Wissenschaft

Klarheit, Witz und Selbstvertrauen

Doch der Vorfall machte mich auch nachdenklich. Ist es in der Wissenschaft und im Theater immer allen klar, wo die Grenzen liegen? Und wenn diese nicht schnell und klar gesetzt werden, gibt es dann nicht immer Raum für Störer? Im Improtheater adressieren wir einen Störenfried direkt und bringen im besten Fall die anderen Zuschauer auf unsere Seite, die sonst um ihr gezahltes Entertainment gebracht werden. Dafür braucht es Klarheit, Witz und Selbstvertrauen. Diese Eigenschaften wünsche ich auch der Wissenschaft, denn sonst wird den Forschenden leicht das Mikrofon weggenommen und der Störenfried wird interessanter, als die eigentliche Show.

Ich wünsche Ihnen eine wissenschaftliche Woche,

Dr. Ben Hartwig

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