Sind Sie krank oder gesund? Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, wenn sie geschlossen gestellt wird. Woher weiß man, ob man gerade ganz gesund ist? Gesundheit ist ja auch eine Gefühlssache. Wirklich messbar ist sie nicht – noch nicht. In Zukunft wird sich die Frage wahrscheinlich verändern. Dann heißt es nicht mehr: „Sie haben eine Grippe, ich schreibe Sie für ein paar Tage krank.“ Sondern eher: „Ihr Gesundheitswert liegt unter 50 % und deshalb bekommen Sie von mir zwei freie Tage zur Regeneration.“ Die Frage wird in Zukunft also lauten, wie gesund sind Sie?

Der Weg zur individuellen MedizinSequenzierungskosten

Genau dieser Frage gehen einige Institute auf der Welt nach. Ein Schlüssel zur individuellen Medizin ist die Sequenzierung des menschlichen Genoms. Sequenzieren heißt, die Basenabfolge des Erbgutes zu entschlüsseln. Seit es möglich ist, ein menschliches Genom zu sequenzieren, sind die Preise dafür enorm gefallen. Heute ist ein komplettes Genom für unter 1.000 $ zu haben. Die Zeit, die dafür benötigt wird hat sich von mehreren Jahren auf einige Stunden reduziert.

Sequenzieren  wie die Weltmeister

Mit diesem genetischen Code allein lässt sich noch nicht viel anstellen. Erst der Vergleich zu anderen Codes lässt ein genaueres Bild entstehen. So kann jeder heute schon mehr über seine Vorfahren und angelegte Krankheiten erfahren, indem man sein Genom sequenzieren lässt. Eine solche Sequenzier-Firma ist 23andMe, die seit 2006 existiert. Für 169 € bekommt man eine Box nach Hause geschickt, es wird erklärt, wie man seine Probe einschicken kann und los geht die Reise. Das ist sehr spannend und vermutlich nicht immer sehr genau. Doch immer mehr Menschen lassen sich sequenzieren, was die Datenbank der Firma wachsen lässt und wiederum die Genauigkeit erhöht. Ein zweiter wichtiger Baustein für eine Zeit der individuellen Medizin ist meiner Meinung nach der 3D-Druck.

Druckt alles

In den letzten Jahren wurden 3D-Drucker immer besser. Ihr Fortschritt geht ähnlich schnell voran, wie die Sequenzierung. Unterschiedliche Materialien können genutzt werden. Firmen bieten an, dass man in den Urlaub fährt, sein altes Haus abreißen und ein neues an gleicher Stelle drucken lässt. Und das Ganze in ein paar Wochen. Auch Gewebe und sogar ganze Chromosomen werden gedruckt und in den USA und in China nähert man sich mit großen Schritten dem Druck eines ersten Herzens.

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Blick nach China

Die Kombination der beiden Technologien könnte der heilige Gral der individuellen Medizin sein. Nachdem ich einen Vortrag von Sven Gábor Jánzky gehört hatte, richtete sich mein Blick auf das Beijing Genomics Institute (BGI) mit dem smarten CEO Ye Yin. Die körpereigenen Bakterien sind ein entscheidender Leistungsträger für unsere Gesundheit. Dabei ist die Balance natürlich sehr wichtig. Die Firma BGI hat das erkannt und entwickelt ein Geschäftsmodell basierend auf dem, was die Firma großartig beherrscht; das Sequenzieren von Genomen. Es befinden sich geschätzt etwa zehn Mal mehr Bakterienzellen in und auf einem menschlichen Körper, als unser Körper Zellen hat. Als ich dies im Biologiestudium erfuhr, musste ich erst einmal schlucken. Ich ekelte mich ein wenig vor mir selbst, doch dann beschloss ich zu teilen. Etwas anderes bleibt uns auch kaum eine andere Wahl.

Mit den niedrigen Sequenzierkosten ist es in naher Zukunft möglich ein recht genaues Bild des menschlichen Mikrobioms, der Gesamtheit der uns besiedelnden Bakterien, zu erhalten. Wenn wir in Zukunft also regelmäßig eine Probe abgibt, können wir erfahren, welche Bakterien gerade fehlen, oder welche von ihnen gerade Überhand nehmen. Jetzt kommt der 3D-Drucker ins Spiel. Fehlende Bakterien können dann jeden Morgen ausgedruckt in unserem Jogurt landen.

Gedanken zur Zukunft

Ein typischer Tagesablauf würde eventuell damit beginnen, dass uns unser Supercomputer in Taschenformat sagt, zu wie viel Prozent wir heute gesund sind. Dank unserer Mikrobiom-Daten wird danach ermittelt, welche Bakterien wir essen sollten, um möglichst gesund durch den Tag zu kommen. Gedruckte Gesundheit für den Menschen von Morgen von Firmen wie BGI? Vieles hängt wahrscheinlich von der menschlichen Akzeptanz ab. Wären Sie bereit zu schlucken, was ein Computer ihnen sagt? Wären Sie es, wenn es ein Arzt vorher noch unterschreibt? Würden Sie es tun, wenn Ihre Gesundheit davon abhinge? Was ist mit der Gesundheit ihres Kindes? Der Graph der sinkenden Sequenzierkosten schlägt die Geschwindigkeit von Moore’s Gesetz deutlich. Diese hohe Geschwindigkeit erschwert den Blick in die Zukunft. Allerdings können wir uns jetzt schon auf einige bahnbrechende Entwicklungen aus der Biotechnologie einstellen.

Ich wünsche Ihnen eine gesunde Woche,

Dr. Ben Hartwig

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