Netzwerken war mir früher fremd. Man hat sich gut unterhalten, auf einen Kaffee getroffen, oder sich versprochen mal was zusammen zu machen. Heute sind online Netzwerke in den täglichen Ablauf integriert. Die frühere Dorfgemeinschaft, in der jeder jeden kennt, wurde vielerorts durch eine Digigemeinschaft ersetzt in der jeder so tut, als ob er jeden kennt. Dabei will ich das nicht verteufeln. Das Netzwerken im Netz hat die großen Vorteile (für manche auch Nachteile) der Geschwindigkeit, Erreichbarkeit und Skalierbarkeit. Allerdings kostet das uns auch etwas. Meiner Meinung nach nimmt die Verbindlichkeit ab.

Alles Jetzt Immer

Mit der Möglichkeit alles immer und sofort zu bekommen, wirken die Dinge, die nur durch Beständigkeit und Verbindlichkeit erreicht werden können, anstrengend. Der Weg zu einem Ziel, auf das man tagtäglich hinarbeitet, scheint es weniger wert zu sein, gelaufen zu werden. Doch ist das wirklich so? Wie entsteht denn ein Gefühl von Stolz? Worauf sind Sie stolz?

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Stolzes Netzwerk

Bei mir sind es oft die Meilensteine meines Lebens, die ich erreicht habe, obwohl es viele Hindernisse und Hürden auf dem Weg dorthin gab. Dann fühlte ich eine Mischung aus Zufriedenheit, Macht und gesteigertem Selbstvertrauen. Demnach können wir ehrlichen Stolz nur für etwas empfinden, für das wir etwas getan haben bzw. für jemanden, der etwas getan hat. Und da sind wir auch schon wieder bei dem Phänomen Netzwerken.

Drei Hindernisse auf dem Weg

Wir Menschen sind dafür gemacht in Verbindungen zu leben. Das hat unsere Spezies durch allerlei Widrigkeiten getragen. Doch warum scheitern manche Netzwerke, während andere florieren? Ich denke, dass es drei große Gründe gibt, warum ein Netzwerk nicht voran kommt bzw. warum es für den ein oder anderen nicht funktioniert:

  1. Es gibt keine Regeln
  2. Es herrscht keine Verbindlichkeit
  3. Das Verhältnis von Geben und Nehmen ist gestört

Wenn es keine Regeln gibt und niemanden der das Netzwerk leitet, dann wird die Ressource Zeit knappt. Es dauert sehr viel länger, bis Synergieeffekte ausgenutzt werden können und bis sich Menschen überhaupt begegnen. Wie oft waren Sie schon auf einer Party eingeladen und am Ende haben Sie die meiste Zeit mit den Menschen verbracht, die Sie schon kannten?

In Punkto Verbindlichkeit sind die Konsequenzen wichtig. Wenn ein Netzwerk funktionieren soll, braucht es Menschen, die miteinander zu tun haben. Besteht Ihr Netzwerk jedoch aus vielen Menschen, die nichts dazu beitragen entsteht kein Austausch. Das Netz stirbt. Dies ist besonders drastisch, wenn die Mitgestalter des Netzwerkes nicht anwesend sind.

Frank Schwalba-Hoth in seinem Element

Frank Schwalba-Hoth

In die gleiche Kerbe schlägt das Verhältnis von Geben und Nehmen. Wenn manche Mitglieder eines Netzwerkes das Gefühl haben, dass sie sehr viel beitragen, jedoch sehr wenig zurückkommt, herrscht Unzufriedenheit. Die ist sogar auf beiden Seiten zu finden. Die Geber sind unzufrieden, weil nichts zurück kommt und die Nehmer sind unzufrieden, weil sie keine Möglichkeit finden, etwas zurück zu geben. In einem starken Netzwerk ist für beide Seiten gesorgt und die Rollen werden beizeiten getauscht.

Soirée Internationale

Eines der stärksten Impulsgeber für Netzwerke in Brüssel ist der Soirée Internationale, ausgerichtet von dem Politiker Frank Schwalba-Hoth. Dieser ist als Mann mit dem dicksten Adressbuch Brüssels bekannt. Einmal im Monat treffen 60 Persönlichkeiten, die sich wenig bis gar nicht kennen, in einem herrlich dekorierten Raum im Zentrum Brüssels aufeinander. Die einfachen Regeln werden zu Beginn vom Gastgeber erklärt.  Nach kurzer Vorstellung, gilt es Visitenkarten bereit zu halten, mit fremden ins Gespräch zu kommen und sich nicht zu viel auf den Teller zu laden, um immer wieder den Platz wechseln zu können.

Ein Stück Heimat

Gegessen wird an mehreren Runden Tischen, an denen jeweils etwa acht Personen Platz finden. Steht man allerding auf, um zum Buffet zu gehen, kann man sich sicher sein, dass der eigene Platz bereits von jemand anderem besetzt worden ist. Steter Austausch wird an diesen Abenden gelebt und jeder wird herzlich an einem neuen Tisch begrüßt. So unterhielt ich mich gestern mit einem Jazzgitarristen, einem Schamanen, einer Regisseurin, einer Juristin und vielen mehr. Gegen Ende hatte ich ein lang vermisstes Gefühl. Ich fühlte mich wieder so, als sei ich in meinem kleinen Dorf, in dem ich groß geworden bin. Alle Gäste des Abends waren die Bewohner und jeder kannte jeden schließlich ein weinig.

Ich wünsche Ihnen eine netzwerkreiche Woche,

Dr. Ben Hartwig

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