Fragen ist für mich fast ein Ritual geworden. Schon oft habe ich mir die Frage gestellt, warum wir hier sind. Das ist auf den ersten Blick eine Frage nach dem Lebenssinn. Doch diese Frage hat noch einen zweiten Aspekt. Warum hat es Homo sapiens geschafft sich zu entwickeln und so viele andere Menschenaffen nicht? Im letzten Jahr traf ich einen interessanten Mann in Berlin, der eine Antwort auf diesen Teil der Frage hatte.

Brad Fortier

Brad Fortier in Aktion

Mein Mitbewohner

Wir waren beide eingeladene Künstler auf dem „Improv without borders“ Festival der Gorillas und teilten für 10 Tage ein Zimmer. Abgesehen davon, dass er ein großartiger Schauspieler ist, arbeitet er auch als Anthroposoph in Portland. Sein Name ist Brad Fortier und er war Teil eines Filmes über Improvisation, die Eiszeit und den Tod.

Nur Homo sapiens hat es geschafft

Als wir im Zimmer über diese Themen diskutierten, meinte Brad, dass zwei der Gründe für das Überleben durch die Eiszeit hindurch Zusammenhalt und Rituale sein könnten. Offenbar organisierten sich unsere frühen Verwandten in Gruppen von bis zu 150 Menschen. Wurde eine Gruppe zu groß, teilte sie sich auf. Einige große Firmen nutzen dieses Wissen heute und eröffnen einen neuen Standort, wenn die Arbeitsgruppen zu groß werden.

Anders lausen

Der Grund dafür geht zurück auf den Anthroposophen Robin Dunbar, der derzeit in Oxford lehrt. Dunbar machte sich das Wissen zu Nutze, dass die Größe des Neocortexes (Die Rinde unseres Hirnes, mit der wir u.a. fühlen) die Gruppengröße verschiedener Primaten widerspiegelt. Der Wissenschaftler skalierte die Gruppengröße der Affenarten hoch auf den Menschen und erhielt die Zahl 147,8. Diese wird oft auf 150 aufgerundet und wurde zu Dunbars Nummer.

Die maximale Größe einer gerade noch funktionalen Gruppe, in der jeder jeden kennt, sind, laut Dunbar, 150 Menschen. Wenn wir unsere sozialen Kontakte jedoch, wie die Primaten, über das Kämmen und Lausen pflegen würden, ginge 50 % unserer Zeit allein dafür drauf. Daher bezeichnet Dunbar die Sprache als „günstige“ Alternative zum Lausen. Wenn wir also mit unserer Sprache umgehen können, können wir mit Worten streicheln und so mehr soziale Kontakte aufrechterhalten.

Das Familienritual

Allerdings erzählte Brad mir in unserem Hotelzimmer, dass wir es bei höchster Konzentration nur schaffen können, drei Menschen gleichzeitig zuzuhören. Und hier kommen für mich die Rituale ins Spiel. Wenn meine Großfamilie zusammen kommt, sind wir 20 – 25 Menschen auf einen Haufen. Bevor das Essen beginnt, halten wir uns an den Händen und sagen: „Piep, piep, piep, wir ham uns alle lieb, guten Appetit. Haut! Rein!“ Das mag sich albern lesen, doch es geht dabei weniger um die Worte, als um das soziale Streicheln. Während des Rituales weiß jeder, was er zu tun und zu sagen hat. Gleichzeitig fühlt sich auch jeder gesehen und gehört. Denn in diesem Moment spricht die Gruppe als Einheit und einer Stimme können wir ohne Probleme lauschen.

 

Der Trailer zu Improv, Death, Ice Age:

R. I. M. Dunbars Veröffentlichung

Ich wünsche Ihnen eine ritualisierte Woche,

Dr. Ben Hartwig

Ps: wer mich auf der Bühne erleben möchte, hat am 16.02.17 die Gelegenheit in Köln und ein paar Plätze in meinen Workshops sind noch frei:

Neuroplay-Events

  • Improtheater-Workshop:  Am 25.02.17 und 26.02.17, je 10 – 17 Uhr über FGKH
  • Schnupperkurs 1 GRATIS: Am 11.03.17 um 10 Uhr in Köln / Anmeldung HIER
  • Schnupperkurs 2 GRATIS: Am 25.03.17 um 10 Uhr in Köln / Anmeldung HIER
  • Workshop (Fokus / Kommunikation und Zusammenarbeit):
    • Am 08.04.17 und 09.04.17, je 10 – 17 Uhr in Köln / Anmeldung HIER oder E-mail an ben@neuroplay.eu

 

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