Zurück aus dem Urlaub stieg ich am Hauptbahnhof in ein Taxi. Ich freute mich nach einer langen Reise im Nachtzug auf den Komfort der schwarzen Ledersitze und den Service, des sicher im Kofferraum verstauten Gepäcks. Die Freude war von kurzer Dauer. Kurz nach dem Einstieg begann der Fahrer mit einer Schimpftirade, die erst vor meiner Haustür enden sollte. Schlimmer noch, sein Ärger hatte sich zum Ende der Fahrt sogar gegen mich gerichtet. Was war passiert?

Die Geschichte on MyTaxi

myTaxi, Digital Star

Niclaus Mewes (Quelle: MyTaxi ©2015)

Es ging um das Unternehmen MyTaxI, das, dank Gründer Niclaus Mewes,  mit einem Peer-to-Peer-Netzwerk operiert. Den Kunden
gestattet es,  das Taxi per Handy zu bestellen, bargeldlos zu bezahlen und danach zu bewerten. Im Gegensatz zu Uber, arbeitet dieses Unternehmen ohne eigene Wagen und ist dadurch in Deutschland angekommen.  Allerdings nicht ohne Widerstand der Taxiunternehmen, die Monopole gebildet hatten. Mehr dazu HIER.

Du kannst die anderen nicht verändern

Mein Taxifahrer war zunächst besorgt, als er von immer längeren Wartezeiten und kleineren Gewinnen sprach. Danach sagte er Sätze wie: „Als Taxifahrer hat man keine Zukunft mehr!“ Diesen Satz wiederholte er dann noch einige Male in verschiedener Form: „Al s Kellner hat man keine Zukunft! Als armer hat man keine Zukunft! Als alter Mensch hat man keine Zukunft!“ Irgendwann platzte mir der Kragen und ich widersprach: „Das kommt darauf an, was man aus seiner Zukunft macht.“ Der Fahrer richtete seine Wut auf mich: „Für mich sei es ja einfach, ich sei ja hier geboren und könne gut Deutsch sprechen.“ Wir erreichten meine Wohnung, ich bezahlte und stieg aus. Meine Stimmung war etwas schlechter, als vor der Fahrt.

Verbunden durch Motzen

Mir fällt immer wieder auf, wie viele unserer Gespräche darin bestehen, dass wir uns beschweren. Wir identifizieren uns regelrecht mit unseren Problemen oder suchen in Gesprächen danach. Als Wissenschaftler wurde ich darauf getrimmt, in Vorträgen und Arbeiten nach Fehlern zu suchen. Warum? Ich denke, weil es einfacher ist. Es ist leichter sich über etwas zu beschweren, anstatt etwas zu tun und zu verändern. Einer meiner Lehrer sagte immer: „Der, der etwas schafft, wird auch dafür kritisiert werden.“

Wenn die Löwen brüllen

Frank Thelen (Quelle VOX / Bernd-Michael Maurer)

Frank Thelen ist einer der Investoren hinter MyTaxi und Kopf des Formates „Die Höhle des Löwen“. (Das Original stammt aus Japan und wurde unter dem Namen  „Money Tigers“ bekannt. Spätere Formate waren „Shark Tank“ in den USA oder „Dragon’s Den“ in England.)  Er gab kürzlich ein interessantes INTERVIEW zu dem Thema Veränderung. Auch hier wird neben einigen positiven Beispielen, wie der Hoffnung auf deutsche Ingenieure, viel Negatives gesagt. Ein wichtiger Aspekt fehlt mir jedoch in dem Interview mit Herrn Thelen. Es ist meine Überzeugung, dass es wichtig ist, viel zu wissen und zu tun. Doch noch wichtiger ist es wie wir über Dinge denken, die wir wissen und tun. Ein Mann hat dazu eine zeitlose Botschaft auf eine Schallplatte gepresst. Um diesen Mann geht es dann im nächsten Blog.

Ich wünsche Ihnen eine beschwerdefreie Woche,

Dr. Ben Hartwig

 

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