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Vor einem Monat hörte ich Jochen Schweizer aufmerksam zu. Dieser starke 60jährige Mann stand in schwarzem, eng geschnittenem T-Shirt auf einer riesigen Bühne. Seine Köperhaltung war offen und seine Stimme kräftig. Er war ein guter Redner, aber vor allem jemand, der etwas zu sagen hatte. Mit Humor und einer großen Sicherheit ausgestattet Manövrierte er uns durch sein Leben.

Dem Tod von der Schippe

Er erzählte davon, wie er noch als Kajakfahrer einem deadly pin entkommen war. Sein Kajak steckte unterhalb eines Wasserfalles mit der Spitze zwischen zwei Felsen fest. Das nachfließende Wasser drückte tonnenschwer auf Jochen Schweizers Rücken. In der Regel bedeutet diese Situation den Tod, doch er kam da heraus. Er sagte, er hätte in einem Moment die Entscheidung getroffen, dort heraus zu kommen.

Das Eis

Während der Geschichte wanderte meine Aufmerksamkeit in meinen Gedanken zurück zu einer Situation im Winter. Als Kind spielte ich mit meinem besten Freund an einem zugefrorenen Fluss. Das Spiel war: „Wer traut sich weiter raus auf das Eis?“ Es war beendet, als ich durch das Eis brach. Zum Glück hatte der Fluss kaum Strömung, so dass ich nicht unter das Eis gezogen wurde. Mit vereinten Kräften konnten wir mich heraus ziehen.

Identifikation

Ich identifizierte mich mit Jochen Schweizers Geschichte. Über eigene Erlebnisse wurde ich direkt in seine Geschichte mit hinein gezogen. Vermutlich ging es vielen der Zuhörer so. Jeder hat seine eigene Geschichte, in der er oder sie eine Schwierigkeit überwunden oder eine brenzlige Situation überstanden hat. Über Identifikation schaffen wir Vertrauen und können Menschen führen.

Der wandernde Geist

Sehr oft sind es jedoch nicht die Anderen, die unsere Aufmerksamkeit führen. Es sind wir selbst. In Kalifornien gibt es mehrere Forscher, die sich mit dem Thema mind wandering beschäftigt. Sie haben herausgefunden, dass wir bis zu 50 % unserer Zeit mit Tagträumen verbringen. Oft wandert der Geist dabei ins Negative. Einige Teilnehmer der Studie erhielten Achtsamkeitstraining, wodurch sie begannen öfter positiv zu denken, wenn ihr Geist wanderte (Jazaieri et al., 2015).

Aufmerksamkeit ist der Fahrer

Die Wahrheit ist aber, dass nicht unser Geist wandert, sondern unsere Aufmerksamkeit. Der Geist ist wie eine Landkarte aus Erinnerungen, Erfahrungen und Emotionen. Die Aufmerksamkeit ist unser Chauffeur, der uns an die Orte auf der Landkarte bringt, die wir besichtigen wollen. Doch wenn wir nichts sagen, wird der Chauffeur trotzdem fahren und zwar an einen Ort, den jemand auf der Rückbank vorgibt. Ich wünsche Ihnen also, dass Sie immer wissen, wo Sie hin wollen.

Die Inspiration zu diesem Text stammt von diesem TEDx Vortrag:

Die Forschungsergebnisse kommen aus oder wurden zitiert in The Journal of Positive Psychology und die Studie heißt: A wandering mind is a less caring mind: Daily experience sampling during compassion meditation training (Jazaieri et al., 2015).

Ich wünsche Ihnen eine aufmerksame Woche,

Dr. Ben Hartwig

 

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